Meerschweinchen in Zahlen
Der etwa 20 bis 35 cm lange zwischen 700 und 1.600 g schwere Körper ist mit einer sehr derben und lederigen Haut ohne Schweißdrüsen und nur sehr wenigen Talgdrüsen überzogen. Schweißdrüsen haben sie an den Füßen, was ihre Empfindlichkeit für Hitze erklärt. Das dichte Haarkleid, besonders der glatthaarigen Schweinchen, dagegen schützt trotz fehlender Unterwolle sehr gut gegen Witterung. Gegen Kälte bilden sie braunes Fettgewebe aus. Bei plötzlicher akuter Kälte zittern sie sich warm. Untergewichtige Tiere haben eher Probleme sich warm zu halten, während fette Tiere schneller einen Hitzeschlag erleiden.
Puls, Atmung & Temperatur = die PAT- Werte
Meerschweinchen haben einen Ruhepuls von 215 bis 380 Schläge pro Minute. Selbst in vertrauten Händen steigt der Plus deutlich an. Unter Stress sind es ganz schnell 600 Schläge. Wenn man sich nun vorstellt, dass die Herzschläge abgemessen sind, erklärt es sehr einleuchtend, warum gestresste Tiere und Menschen schneller altern und jünger versterben.
Wenn euch jemand erzählt (s)ein Meerschweinchen hätte einen Herzfehler, fragt nach wie die Diagnose gestellt wurde. Lautet die Antwort: Der Tierarzt, oder wer auch immer, hat es beim Abhören festgestellt … Kopfkino über mehrere Minuten Herzschläge eines gestressten Meeris zählen …
Ein gesundes Meerschweinchen macht 100 bis 130 Atemzüge pro Minute. Eine Erhöhung der Frequenz muss immer Beachtung finden. Spätestens wenn die Atmung sichtbar wird, im extrem die Flankenatmung, ist es ein Fall für den Tierarzt.
Die Körpertemperatur liegt zwischen 37,4° und 39,5°. Untertemperatur und Fieber kann man an ihren Fußsohlen und Ohren erkennen. Setzt man sich ein Schweinchen auf die Hand und die Temperatur weicht vom gewohnten ab, ist eine Prüfung der Ohren mit den Lippen sehr aussagekräftig.
Gegen Untertemperatur hilft wärmen. Bei Fieber muss schneller und intensiver gehandelt werden. So wie beim Menschen und allen anderen Säugetieren wird eine Temperatur von 40° plus gefährlich.
In beiden Fällen muss schnellstens die Ursache gefunden werden.
Hören, Sehen & Riechen
Als Flucht- und Beutetiere haben sie ein sehr komplexes Wahrnehmungssystem. Sie können gut hören, besonders im hohen Hetz Bereich. Eine Bohrmaschine stört sie in der Regel weniger als das klimpern eines Schlüsselbundes, herabfallende Nägel oder Münzen.
Ihre seitlichen und nicht tief in den Höhlen sitzenden Augen ermöglichen ihnen fast eine Rundumsicht. Sie können ca. 340° abdecken, doch nur die mittleren bis 76° vor dem Kopf sehen sie mit beiden Augen. Somit ist nur hier eine räumliche Scharfsicht möglich. Ab einer Distanz von ca. 50 cm lässt die Schärfe der Sicht nach. Sie sind also kurzsichtig.
Im Gegensatz zu den meisten Weidetieren, die unter Rot-Grün-Sehschwäche „leiden“, haben Meerschweinchen eine Spektralfarbensicht. Sie können rot, gelb, grün und blau unterscheiden.
Sie können 1.000-mal besser riechen als Menschen. Das hilft ihnen ihre Umgebung, Gruppenmitglieder, Stimmungen und Futter zu unterscheiden. Sind beim Futter zu viele Düfte durcheinander wird probiert und dann nach Geschmack selektiert.
Daraus auf die Selektionsfähigkeit von potentiellen Giftpflanzen zu schließen ist trügerisch bis gefährlich.
Giftpflanzen schützen sich vor Verbiss durch Bitter- und Gerbstoffe. Meerschweinchen mögen aber Bitterstoffe. Deshalb wird Hahnenfuß von ihnen gefressen, während Pferde ihn (wachsend) nicht anrühren. Schon wenige Stunden nach dem Schnitt verliert der Hahnenfuß seine Bitterstoffe. Seine Giftstoffe aber erst nach 3 Monaten Trocknung.
Die Tasthaare helfen dem Meerschweinchen, besonders bei schlechter Sicht, bei der Orientierung.
Das Skelett des Meerschweinchens
Das Knochenskelett aller Säugetiere ist nach demselben Schema aufgebaut..jpg)
Zeichnung mit freundlicher Genehmigung von S. Niggemeier
Der Kopf besteht aus dem Schädel (1), dem Nasenbein (2), dem Oberkiefer (3) und dem Unterkiefer (4).
Die Wirbelsäule besteht aus 7 Halswirbeln (5), 12 Brustwirbeln (6) mit 12 Rippenpaaren (7), von denen aber die letzten 4 bis 5 nicht mit dem Brustbein (23) verbunden sind, 6 Lendenwirbeln (8), 4 Kreuzwirbeln (9) den 6 Schwanzwirbeln (10) (die beim Menschen zum Steißbein verwachsen sind).
Die Hintergliedmaße sind mit den Hüftgelenken (12) am Becken (11) angesetzt. Das Hinterbein bestehen aus den von außen nicht erkennbaren Oberschenkelknochen (13) und ist erst ab dem Kniegelenk (14) sichtbar. As Bein erkennbar sind Schienen- (15) und Wadenbeine (16), das Sprunggelenk (17) der Hintermittelfuß (18) und die drei Zehen mit Krallen.
Die Vordergliedmaße beginnen mit den über Sehen und Muskeln am Schulterblatt (20) angehängtem Schultergelenk (21) und dem Oberarm (22), über das Ellenbogengelenk (27) ist er mit Elle und Scheiche (26) verbunden. Karpalgelenk (25) bildet mit dem Vordermittelfuß (24) und den vier Zehen mit Krallen die Vorderpfote.
Aufgrund von Stellung und Gangbild stellen Meerschweinchen einen Übergang vom Sohlen zum Zehengänger da. Sie können beides.
Als Besonderheit besitzen sie ein funktionsloses rudimentäres Schlüsselbein, wie fast alle Nager.
Der Kopf und die Zähne
- Oberkiefer
- Nasenbein
- Augenhöhle
- Stirnbein
- Schädel oder Hirnschale
- Unterkiefer
- Kiefergelenk
- Schneidezähne (je 1 pro Kiefer und Seite )
- Vordere Backenzähne (je 1 pro Kiefer und Seite (Prämolare))
- Hintere Backenzähne (je 2 pro Kiefer und Seite (Molare)) die bereits bei der Geburt durchgebrochen sind
- Letzter Backenzahn (je 1 pro Kiefer und Seite (Molare)) die erst ca. eine Woche nach der Geburt durchbrechen
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Zeichnung mit freundlicher Genehmigung von S. Niggemeier
Meerschweinchen werden zu den Nagetieren gezählt, haben jedoch eine andere Zahnformel. Nämlich 1-0-1-3 damit kommen sie auf 20 Zähne. Nagetiere haben die Zahnformel 1-0-0-3 was 16 Zähne ausmacht. Meerschweinchenzähne sind alle wurzellos, bei allen anderen Nagern sind es nur die Schneidezähne. Wurzellose Zähne wachsen ihr lebenslang und werden ausschließlich durch Abrieb beim Fressen in korrekter Länge gehalten. Dazu muss die Fütterung artgerecht aufgebaut sein.
Lesenswert: https://husarenmuehle.com/wp-content/uploads/2021/07/Zahnkompendium_Version1.0.pdf
Innere Werte = die Organe
Ventrale Ansicht der Anordnung der Organe im Meerschweinchen
- Maul
- Lymphdrüsen
- Kehlkopf
- Luftröhre
- Speicheldrüsen
- Speiseröhre
- Herz
- Magen
- Dünndarm
- Lunge (beidseitig, aus Darstellungsgründen ist hier nur ein Lungenflügel zu sehen)
- Zwerchfell
- Leber
- Gallenblase
- Zwölffingerdarm
- Dickdarm
- Blase
- Blinddarm
- Harnröhre
- Genitalbereich (weiblich)
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Zeichnung mit freundlicher Genehmigung von S. Niggemeier
Seitliche Ansicht der Anordnung der Organe im Meerschweinchen
- Luftröhre
- Speiseröhre
- Herz
- Lunge
- Leber
- Magen
- Dünndarm
- Nebenniere
- Niere
- Eierstock
- Absteigendes Kolon
- Legehorn
- Blinddarm
- Blase
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Zeichnung mit freundlicher Genehmigung von S. Niggemeier
Text folgt ...